Pressebericht HNA 04.02.2023

Samstag, 4. Februar 2023, Mündener Allgemeine / Lokales

Wörterbuch auf platt in Vorbereitung

Hemelner Plattdeutsch-Gruppe unterrichtet auch Grundschüler

VON PETRA SIEBERT

Begeistern sich für Plattdeutsch: Ilse Weitemeyer, Bernhard Peters, Friedel Ludewig, Heiko Beuermann, Irmtraud Gralla, Alfred Urhahn, Monika Gronemann, Volker Meng, Heidi Ludewig und Hildegard Scholl beraten über die neuen Projekte Wörterbuch und Kochbuch. Nicht auf dem Foto ist Willi Pape. Foto: Petra Siebert

Hemeln – „Unsere Gruppe will die plattdeutsche Sprache in Hemeln pflegen und dazu beitragen, dass das ostfälisch Plattdeutsch in Hemelner Mundart weiterhin lebendig bleibt“, sagt Irmtraud Gralla, Mitglied in der Hemelner Plattdeutschgruppe und im Beirat des Plattdeutsch-Forums Südniedersachsen.

Aktuell sprechen noch zwölf Prozent der Hemelner Bevölkerung Plattdeutsch. Die Zahl erhöhen und mehr Menschen im Ort für die plattdeutsche Sprache zu begeistern und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass damit eine Tradition aufrecht erhalten wird, das ist das Ziel der Plattdeutschgruppe des Kultur- und Naturfördervereins mit Alfred Urhahn an der Spitze.

Zehn Frauen und Männer gehören zu der Gruppe, die im September des Vorjahres gegründet wurde. Das Sprachgebiet des ostfälischen Plattdeutsch erstreckt sich zwischen Weser und Elbe und von nördlich Uelzen bis südlich Göttingen. „Auch wenn Aussprache und Schreibweise von Ort zu Ort unterschiedlich sind, verstehen sich die Plattdeutschen untereinander“, betont Gralla. Den Schulkindern das Hemelner Platt nahe zu bringen, haben sich die Rentner Willi Pape und Bernhard Peters, liebevoll von den Kindern „Plattdeutsch-Unkels“ (Plattdeutsch-Onkel), auf die Fahne geschrieben. Seit vielen Jahren leiten sie ehrenamtlich die Platt-AG (dritte und vierte Klasse) in der Grundschule. In Plattdeutsch-Wettbewerben haben die Kinder der Platt-AG schon mehrere erste Plätze errungen. Beide „Unkels“ gehören auch zur Plattdeutschgruppe. Im Jahr 1975 sprachen 43 Prozent der Hemelner Plattdeutsch, im Jahr 2000 waren es noch 25 Prozent.

Viele Hemelner sind zweisprachig aufgewachsen, so auch Irmtraud Gralla, die stolz darauf ist. „In den 1960er-Jahren war es so, dass viele Menschen sich schämten, Platt zu sprechen“, erinnert sich Ilse Weitemeyer. „Wenn ich jemanden treffe, der auch Platt spricht, dann unterhalte ich mich in der Sprache mit ihm“, betont Monika Gronemann und die anderen nicken zustimmend. „Wer platt kann, dem fällt auch Englisch nicht schwer“, weiß Volker Meng. Die monatlichen Treffen stehen unter einem bestimmten Motto. In Vorbereitung sind auch ein plattdeutsches Wörterbuch in Hemelner Mundart (Hochdeutsch – Plattdeutsch, Plattdeutsch – Hochdeutsch) und ein Hemelner Kochbuch mit Back- und Kochrezepten in Platt- und Hochdeutsch. Diese beiden Projekte werden in einer kleinen Gruppe erarbeitet, dann im größeren Kreis vorgetragen und abgenickt.

Pape und Peters sind dabei „Lehrmeister“. „Wir hoffen, dass wir das Wörterbuch bis zum Jahresende fertiggestellt haben“, so Irmtraud Gralla.

Aber auch außerhalb des Treffens sind die Mitglieder aktiv. Ein plattdeutscher Gottesdienst in der Marienkirche zum Thema „Früher war alles besser, oder doch nicht?“, fand genauso großen Anklang wie ein plattdeutscher Adventskaffee und die Teilnahme am „Lebendigen Adventskalender“.

Eine Glanzleitung war der Auftritt zum diesjährigen Neujahrsempfang. Ein Rückblick der vergangenen drei Jahre, in Hochdeutsch geschrieben und simultan in Platt übersetzt, mit ein wenig Humor gewürzt, brachte der Gruppe große Anerkennung.

Für dieses Jahr ist für Sonntag, 8. Oktober, ein weiterer Plattdeutscher Gottesdienst zum Thema „Ernte und Dank“, geplant. Wer in der Hemelner Plattdeutschgruppe mitmachen möchte, ist gerne gesehen, es sollten allerdings Plattkenntnisse vorhanden sein oder Interesse bestehen, Plattdeutsch zu lernen.

Dem Plattdeutsch-Forum beigetreten

Im September ist der Kultur- und Natur-Förderverein dem Plattdeutsch-Forum (PDF) Südniedersachsen e.V. (plattdeutschforum.de) beigetreten, um zusätzliche Möglichkeiten der Zusammenarbeit zum Erhalt und zur Förderung des Kulturgutes zu nutzen. Das Plattdeutsch-Forum Südniedersachsen bündelt die vorhandenen Plattdeutsch-Aktivitäten in den einzelnen Orten der südniedersächsischen Landkreise und bietet allen Beteiligten eine öffentlichkeitswirksame Plattform. Mit unterschiedlichen Veranstaltungsformaten wird auch der Kontakt zu jüngeren Menschen gesucht, um sie für die niederdeutsche Sprache neu zu interessieren. Das kann bei Veranstaltungen auf Plattdeutsch in der Fläche (Osterode, Einbeck, Northeim, Göttingen, Duderstadt, Bühren, Hemeln) sein, oder auch Workshops, Lesewettbewerbe, gemeinsamer Plattdeutscher Chorgesang, Online-Stammtische, Plattdeutsche Gottesdienste „Kerke underwejens“ Teilnahme des PDF an der Landesgartenschau 2023 in Bad Gandersheim. Schulklassen werden da in „Das grüne Klassenzimmer“ eingeladen, um ihnen alte Spiele von früher auf Plattdeutsch zu erklären.  zpy